
Kryptowährungspolitik Think Tank Coin Center veröffentlichte am 18. März einen Brief an die US-Börsenaufsicht SEC, in dem sie fordert, die Behandlung von Problemen im Kryptomarkt nicht mehr fallweise durch No-Action Letters zu regeln, sondern systematisch klare Regeln zu entwickeln. Der Brief weist darauf hin, dass fallweise Lösungen zwar kurzfristige Sicherheit bieten, aber zu „Fragmentierung, versteckter Priorisierung bei der Regulierung und ungleichmäßiger Behandlung von Projekten“ führen.
(Quelle: Coin Center)
Die Initiative von Coin Center basiert auf drei sich gegenseitig verstärkenden Argumenten:
Strukturelle Bevorzugung: Der Erhalt von No-Action Letters erfordert umfangreiche rechtliche Ressourcen und die Fähigkeit, proaktiv mit Regulierungsbehörden in Kontakt zu treten. Coin Center weist darauf hin, dass „Regulierungsbehörden zwangsläufig diejenigen bevorzugen, die Ressourcen und Motivation haben, um Rettungsmaßnahmen zu erwirken“, wodurch kleine und mittlere Projekte faktisch ausgeschlossen werden.
Fragmentierung der Regulierung: Jeder No-Action Letter gilt nur für eine bestimmte Situation und kann keine branchenweiten Standards schaffen. Stattdessen entstehen zahlreiche rechtlich einzigartige Situationen, die die Einhaltungskosten für die gesamte Branche ungleichmäßig verteilen.
Missverständnis der Öffentlichkeit bei Kryptowährungen: Coin Center betont, dass „der wahre Wert der Krypto-Netzwerke in ihrer Funktion als praktische öffentliche Güter liegt, nicht in von Privatunternehmen betriebenen Diensten“. Die Logik hinter No-Action Letters widerspricht im Wesentlichen der öffentlichen Infrastruktur-Charakteristik der Krypto-Netzwerke.
Während Coin Center die Initiative ergreift, haben die SEC und die US Commodity Futures Trading Commission (CFTC) in den letzten Monaten weiterhin No-Action Letters erlassen:
CFTC an Phantom Technologies: Bestätigung, dass der Krypto-Wallet-Dienstleister Phantom unter bestimmten Bedingungen von der Registrierungspflicht für Vermittler befreit werden kann (neuestes Beispiel)
SEC an zwei DePIN-Projekte: Beseitigung von Durchsetzungsbarrieren für bestimmte Arten von Krypto-Projekten
SEC-Brief vom September 2025: Erlaubt Investmentberater, US-Trusts als Krypto-Depotstellen zu nutzen
Bemerkenswert ist, dass die SEC gleichzeitig eine systematischere Klassifikation digitaler Vermögenswerte veröffentlicht hat, die einen „kohärenten Token-Klassifizierungsrahmen“ für digitale Waren, Sammlerstücke, Tools, Stablecoins und Wertpapiere bietet, was auf eine fortschreitende Institutionalisierung hindeutet. Zudem haben SEC und CFTC am 12. März eine Memorandum of Understanding (MOU) unterzeichnet, um eine koordinierte Aufsicht zu etablieren und den jahrzehntelangen „Regulierungsstreit um die Hoheitsgebiete“ zu beenden.
Neben der Selbstverbesserung des administrativen Regulierungsrahmens arbeitet der US-Kongress am „CLARITY-Gesetz“, das auf legislativer Ebene einen klaren Rahmen für die Zuständigkeit von SEC und CFTC für digitale Vermögenswerte schaffen soll. Es soll klar definieren, welche Vermögenswerte von welchen Behörden reguliert werden, um Rechtsunsicherheiten zu verringern und eine einheitlichere Regulierung der Krypto-Branche zu gewährleisten. Wird dieses Gesetz verabschiedet, wird sein Anwendungsbereich und die Rechtssicherheit die von No-Action Letters übertreffen – eine klare Umsetzung der von Coin Center geforderten „systematischen Regeln vor fallbezogener Rettung“.
Coin Center ist der Ansicht, dass No-Action Letters nur großen, ressourcenstarken Projekten Schutz bieten, die aktiv um Rettung bitten können. Im Wesentlichen bevorzugen sie wohlhabende und mächtige Akteure; gleichzeitig führen sie zu einer Fragmentierung der Branche, da jeder Brief nur für eine bestimmte Situation gilt und keine branchenweiten klaren Regulierungen schafft.
Zu den aktuellen Beispielen gehören: Briefe an zwei DePIN-Projekte; im September 2025 die Erlaubnis für Investmentberater, US-Trusts als Krypto-Depotstellen zu nutzen. Die CFTC hat kürzlich einen Brief an Phantom Technologies erlassen, der unter bestimmten Bedingungen die Registrierungspflicht für Vermittler aufhebt.
Das CLARITY-Gesetz ist eine Gesetzesinitiative des US-Kongresses, die einen klaren Rahmen für die Zuständigkeit von SEC und CFTC für digitale Vermögenswerte schaffen soll. Es soll Rechtsunsicherheiten verringern und eine einheitliche Regulierung der Krypto-Branche gewährleisten. Im Vergleich zu No-Action Letters bietet der legislative Rahmen eine breitere Anwendbarkeit und Rechtssicherheit – eine Umsetzung der von Coin Center geforderten „systematischen Regulierung“.