OpenAI plant, ChatGPT, die Programmplattform Codex und den Browser Atlas zu einer Desktop-“Super-App” zu vereinen, um dem starken Aufstieg von Anthropic im Unternehmens- und Entwicklermarkt entgegenzuwirken. Verantwortliche Fidji Simo erklärte offen, dass die zuletzt verfolgte Strategie der Produktdiversifizierung „uns verlangsamt“.
(Vorgeschichte: OpenAI soll laut Berichten noch in diesem Jahr an die Börse gehen, mit einer Bewertung im Billionen-Dollar-Bereich. ChatGPT muss mehr Unternehmenskunden gewinnen.)
(Hintergrund: Wie schlimm sind die Midterm-Wahlen in den USA für die Krypto-Branche?)
OpenAI befindet sich erneut im „Rote-Alarm“-Zustand. Laut dem Wall Street Journal bezeichnete Fidji Simo, Leiterin der Anwendungsabteilung, die aktuelle Lage des Unternehmens bei einem Mitarbeitertreffen als „Code Red“. Der schnelle Ausbau des Wettbewerbers Anthropic im Bereich Unternehmenskunden und Entwicklermarkt setzt OpenAI enorm unter Druck.
In einer internen E-Mail nannte Simo die Kernprobleme direkt:
„Wir erkennen, dass unsere Aufmerksamkeit auf zu viele Anwendungen und Tech-Stacks verteilt ist. Wir müssen vereinfachen. Diese Zerstreuung bremst uns aus und erschwert es uns, die gewünschten Qualitätsstandards zu erreichen.“
OpenAI plant, die drei Kernprodukte in eine Desktop-“Super-App” zu integrieren: die Dialogschnittstelle ChatGPT, die Programmierplattform Codex und den Browser mit dem Codenamen „Atlas“. Simo wird die Produktintegration leiten, während OpenAI-CEO Greg Brockman sie bei der Koordination unterstützt.
Laut WSJ wird die Integrations-Roadmap schrittweise umgesetzt: In den kommenden Monaten soll Codex um erweiterte „Agenten-ähnliche KI“-Fähigkeiten ergänzt werden, die über reine Programmierung hinausgehen. Anschließend sollen ChatGPT und der Atlas-Browser in die Super-App integriert werden.
Es ist jedoch wichtig zu beachten, dass die mobile ChatGPT-App nicht in den Integrationsprozess einbezogen wird und unverändert bleibt.
Das Wall Street Journal berichtet, dass die strategische Wende vor allem auf den Misserfolg zurückzuführen ist, den OpenAI im letzten Jahr mit der Einführung zahlreicher eigenständiger Produkte erlebte, die kaum Resonanz fanden. Führungskräfte wie CEO Sam Altman, Chief Research Officer Mark Chen und Simo haben die gesamte Produktpalette neu bewertet.
Gleichzeitig zeigen die Durchbrüche von Anthropic mit den Produkten Claude Code und Cowork im Unternehmens- und Entwicklermarkt, dass OpenAI den Fokus wieder auf den Unternehmenskundenmarkt legen muss. Simo sagte den Mitarbeitern bei dem Treffen, dass das Unternehmen sich nicht mehr durch „Nebenaufgaben“ ablenken lassen könne, angesichts des schnellen Erfolgs von Anthropic.