Globale Zahlungsriese Stripe treibt seine Aktivitäten im Kryptobereich erneut voran und zieht erneut die Aufmerksamkeit der Branche auf sich. Das Unternehmen hat kürzlich im Rahmen einer „Akquisitionsähnlichen Rekrutierung“ das Kernteam des bekannten mobilen Krypto-Wallets Valora unter Vertrag genommen, um die Entwicklung seines Stablecoin-Geschäfts zu beschleunigen. Die Valora-App selbst sowie deren geistiges Eigentum werden an das ursprüngliche Entwicklungslabor Celo cLabs zurückgegeben. Diese Akquisition ist ein bedeutender Schritt für Stripe, nachdem es im Oktober 2024 das Stablecoin-Infrastrukturunternehmen Bridge für 1,1 Milliarden US-Dollar übernommen hat und Anfang dieses Jahres das Krypto-Wallet-Unternehmen Privy gekauft hat. Damit baut Stripe eine „vollständige Lebenszyklus-Service“-Karte für Stablecoins auf und markiert den Eintritt eines traditionellen Fintech-Giganten in den Kryptobereich.
Der Kern dieser Akquisition liegt nicht in Produkten oder geistigem Eigentum, sondern in Talenten. Laut einer öffentlichen Erklärung von Valora-Gründer Jackie Bona wird das Team zu Stripe wechseln, um gemeinsam die Mission zu verfolgen, „die Zugänglichkeit des globalen Finanzsystems zu erweitern.“ Die Details der Transaktion, einschließlich der Teamgröße, wurden nicht offengelegt. Es ist jedoch wichtig zu erwähnen, dass die Valora-Anwendung und deren technisches geistiges Eigentum an das ursprüngliche Inkubator-Unternehmen Celo cLabs zurückgegeben werden, das für die zukünftige Entwicklung und den Betrieb verantwortlich sein wird.
Dieses „Team-Kauf, Produktbeibehaltung“-Modell ist in der Tech-Branche nicht ungewöhnlich. Es zeigt deutlich, dass Stripe mit dieser Maßnahme primär darauf abzielt, ein Team zu gewinnen, das Erfahrung im Aufbau von mobilen, selbstverwalteten Krypto-Wallets hat, insbesondere im Hinblick auf stabile Zahlungs-Erlebnisse. Das Valora-Team hat in den letzten Jahren erfolgreich eine Plattform entwickelt, die darauf abzielt, Kryptowährungen „so einfach zu senden wie eine SMS“, und hat Partnerschaften mit afrikanischen mobilen Zahlungsdiensten wie M-Pesa sowie Stablecoin-Emittenten wie Tether aufgebaut. Dadurch konnte es wertvolle Erfahrungen bei Zahlungen in Schwellenländern und bei der globalen Akzeptanz von Stablecoins sammeln.
Für Stripe wird die Integration dieses Teams die Produktentwicklung und Marktexpansion im Bereich der Kryptowährungen, insbesondere bei Stablecoins, direkt stärken. Beide Seiten teilen die Überzeugung, dass Kryptowährungen die globale Wirtschaftsteilnahme deutlich erhöhen können, was die schnelle Integration und Zusammenarbeit des Teams erleichtert.
Die Übernahme des Valora-Teams ist kein kurzfristiger Schachzug von Stripe, sondern ein Schritt in der langfristigen, systematischen Entwicklung der Krypto-Zahlungsfähigkeiten, insbesondere im Bereich Stablecoins. Rückblickend auf die jüngsten Aktionen ergibt sich eine klare strategische Linie:
Oktober 2024: Stripe übernimmt das Stablecoin-Infrastruktur-Start-up Bridge für ca. 11 Milliarden US-Dollar. Diese Transaktion gilt als Grundstein für den Einstieg in das Stablecoin-Geschäft und soll die technischen Fähigkeiten in Emission, Verwaltung und Custody abdecken.
September 2024: Stripe veröffentlicht zwei bedeutende Ankündigungen: Erstens die Einführung der Plattform „Open Issuance“, um Unternehmen die Ausgabe maßgeschneiderter Stablecoins auf Basis von Bridge zu ermöglichen; zweitens die Ankündigung der gemeinsamen Entwicklung der neuen Layer-1-Blockchain Tempo, die sich auf Zahlungen konzentriert. Zudem bemüht sich das Unternehmen aktiv um eine nationale Banklizenz in den USA, um seine Finanzaktivitäten zu legalisieren.
Anfang 2025: Stripe kauft das Krypto-Wallet-Unternehmen Privy auf, um seine technischen Ressourcen im Bereich Nutzer-Identität und Schlüsselverwaltung zu stärken.
Damit deckt Stripe die komplette Wertschöpfungskette ab: vom zugrunde liegenden Emissionsprotokoll (Bridge), der eigenen Zahlungs-Blockchain (Tempo), Nutzerzugang und Identitätsmanagement (Privy) bis hin zur Front-End-Anwendung für Verbraucher (Valora-Team). In seinem Jahresbrief bezeichneten die Mitbegründer Patrick und John Collison Stablecoins als eine Verbesserung der „grundlegenden Verfügbarkeit von Geld“. Diese Akquisition ist ein entscheidender Schritt, um dieses Verständnis in konkrete Produkte umzusetzen.
Die fortgesetzten Akquisitionen von Stripe spiegeln die zunehmende Integration traditioneller Fintech-Giganten in die Krypto-Ökosysteme wider und unterstreichen den aktuellen Trend der „Institutionalisierung“. Laut Managern von Polygon Labs kontrollieren institutionelle Gelder im Jahr 2025 etwa 95 % des Krypto-Flowings, was zu erheblichen Veränderungen in der Marktdominanz führt. Das Interesse dieser Akteure ist nicht nur durch Marktsentiment getrieben, sondern auch durch die Reife von Infrastruktur wie Custody, Compliance und ETF, die die Anlage in digitale Vermögenswerte ermöglichen.
Stripe repräsentiert eine typische Form der institutionellen Beteiligung: Nicht nur als Investor, sondern als Dienstleister, der die nächste Generation der Finanzinfrastruktur direkt aufbaut. Dies unterscheidet sich von Analystenberichten wie Goldman Sachs oder der ETF-Einführung durch BlackRock, die eher auf Marktdaten oder reine Anlageinstrumente setzen. Es handelt sich um eine tiefere, technologisch integrierte Form der Teilnahme.
Diese Fusion formt eine neue Finanzlandschaft. In Zukunft könnten wir eine hybride Finanzwelt sehen, in der DeFi, NFTs, Tokenisierung von Staatsanleihen (RWA) und traditionelle ETFs auf offenen Blockchains koexistieren. Unternehmen wie Stripe werden dabei vor allem die Schnittstellen und „Brücken“ bereitstellen, um Unternehmen und Verbrauchern sicheren und einfachen Zugang zu diesem neuen System zu ermöglichen. Stablecoins gelten dabei als ideales Medium für großflächige On-Chain-Zahlungen und Wertübertragungen, weshalb sie eine besonders umkämpfte Domäne sind.
Der Einstieg von Stripe wird den Bereich der Krypto-Zahlungen erheblich beeinflussen. Zunächst wird die Wettbewerbssituation intensiver: Der direkte Wettbewerb besteht mit bestehenden Stablecoin-Emittenten und -Dienstleistern wie Circle, Paxos sowie Wallet-Anbietern wie MetaMask und Phantom. Stripe bringt starke Markenbekanntheit, ein bestehendes globales Händlernetzwerk und einen Fokus auf Compliance mit.
Zudem könnte dies die Entwicklung und Evolution von Celo und anderen Zahlungsorientierten Blockchain-Ökosystemen beschleunigen. Valora, das Flaggschiff-Wallet im Celo-Ökosystem, wurde durch die Übernahme des Kernteams gestärkt. Kurzfristig bedeutet dies einen Abfluss an Talenten, langfristig könnte die Ressourcen- und Erfahrungseinbindung durch Stripe neue Impulse für mobile Zahlungen und Stablecoin-Anwendungen bringen. Das Celo-Ökosystem erhält dadurch eine vollständige Kontrolle über Wallet-Anwendungen und startet in eine neue Entwicklungsphase.
Oktober 2024: Übernahme des Stablecoin-Infrastruktur-Unternehmens Bridge, um Emissions- und Verwaltungsfähigkeiten zu sichern.
Anfang 2025: Kauf des Krypto-Wallet-Unternehmens Privy, um Nutzerzugang und Schlüsselmanagement zu stärken.
September 2025: Einführung der Stablecoin-Emissionsplattform „Open Issuance“ und Ankündigung der gemeinsamen Entwicklung der Zahlungs-Blockchain Tempo.
Dezember 2025: Übernahme des Valora-Wallet-Teams, um Frontend- und Nutzererfahrung im mobilen Zahlungsbereich zu verbessern.
Langfristige Strategie: Beantragung einer US-Banklizenz, um eine regulierte, vollständige Finanz-Stack-Infrastruktur aufzubauen.
Für den breiten Kryptomarkt bedeutet dies, dass die Erzählung von „Praktikabilität und Payments“ eine starke Unterstützung aus der traditionellen Welt erhält. Wenn Zahlungsriesen wie Stripe ernsthaft in Stablecoin-Services investieren, schaffen sie langfristig eine solide Grundlage für den gesamten Krypto-Asset-Bereich, insbesondere für solche, die auf Payments und stabile Transaktionen fokussierte Blockchains und Tokens. Hierbei handelt es sich nicht mehr um Spekulation, sondern um technologische und geschäftliche Integration basierend auf echten Bedürfnissen.
Die Übernahme von Valora durch Stripe ist weit mehr als eine gewöhnliche Talente-Übernahme. Sie ist ein klares Signal an die Krypto-Welt, insbesondere im Hinblick auf „Stablecoin-gestützte Finanzzukunft“, von einem der größten Zahlungsanbieter der Welt. Nach Jahren der Zurückhaltung beim Bitcoin-Zahlungsverkehr und der genauen Prüfung zeigt Stripe nun ernsthaftes Interesse an der Entwicklung der Krypto- und Stablecoin-Ökosysteme.
Von der Übernahme von Bridge zur Anwerbung des Valora-Teams zum Aufbau eines Cockpits – Stripe baut aktiv an einer Maschine, die in eine neue Welt fliegen soll. Das Ziel ist klar: Als Schlüsselverbindung zwischen traditionellem Geschäfts- und Krypto-Ökosystem zu fungieren. Trotz regulatorischer, technologischer und marktbezogener Herausforderungen sendet der Einstieg eines Branchenriesen ein starkes Signal für den Beginn einer neuen Phase. Wenn das Versenden von Kryptowährungen so einfach wird wie das Versenden einer SMS und von einem der vertrauenswürdigsten Zahlungsunternehmen weltweit unterstützt wird, beginnt die finanzielle Revolution, die den Alltag der Menschen wirklich verändern wird.