
Die Federal Reserve veröffentlichte am Mittwoch neue Analyseempfehlungen, wonach Kryptowährungen als eigenständige Vermögensklasse im Markt für „nicht-liquidierte“ Derivate (einschließlich OTC und anderer außerhalb zentraler Clearingstellen abgewickelter Transaktionen) eingestuft werden sollten, die für die Initial Margin-Anforderungen verwendet werden. Das Arbeitspapier weist darauf hin, dass dies darauf zurückzuführen ist, dass Kryptowährungen eine höhere Volatilität aufweisen als traditionelle Vermögensklassen und nicht den in dem Standardisierten Initial Margin Model (SIMM) skizzierten Risikokategorien für Vermögenswerte entsprechen.
(Quelle: Federal Reserve Board)
Die am Mittwoch veröffentlichten neuen Analyseempfehlungen der Federal Reserve schlagen vor, Kryptowährungen als eine einzigartige Vermögensklasse im Markt für „nicht-liquidierte“ Derivate (einschließlich OTC und anderer außerbörslicher Transaktionen) zu klassifizieren, die für die Initial Margin-Anforderungen genutzt werden. Dies ist eine historische Anerkennung, die bedeutet, dass die Federal Reserve Kryptowährungen offiziell anerkennt und sie nicht einfach auf traditionelle Risikomanagement-Frameworks anwendbar sind, sondern spezielle regulatorische Standards erfordern.
Das Arbeitspapier hebt hervor, dass Kryptowährungen aufgrund ihrer höheren Volatilität im Vergleich zu traditionellen Vermögensklassen und ihrer Nichtübereinstimmung mit den in SIMM skizzierten Risikokategorien für Vermögenswerte eine eigene Einstufung benötigen. Autoren wie Anna Amirdjanova, David Lynch und Anni Zheng erklären, dass die in SIMM definierten traditionellen Vermögensklassen – darunter Zinsen, Aktien, Devisen und Rohstoffe – durch Jahrzehnte an Daten validiert wurden, sodass das SIMM-Modell Risiken relativ genau vorhersagen kann.
Im Gegensatz dazu ist die Situation bei Kryptowährungen völlig anders. Die annualisierte Volatilität von Bitcoin liegt typischerweise bei 50-80 %, deutlich höher als bei Aktien (15-20 %), Devisen (10-15 %) oder Gold (15-20 %). Zudem besteht eine extrem hohe Korrelation zwischen Kryptowährungen (wenn Bitcoin stark fällt, fallen fast alle Krypto-Assets gleichzeitig) und die Korrelation mit traditionellen Vermögenswerten ist instabil (mal steigen sie gemeinsam, mal entkoppeln sie sich vollständig). Diese Eigenschaften führen dazu, dass die herkömmliche Risikostreuung im Kryptobereich versagt.
Bitcoin: Jahresvolatilität 50-80 %, extrem schwankend
Aktien (S&P 500): Jahresvolatilität 15-20 %
Devisen (Dollar-Index): Jahresvolatilität 10-15 %
Gold: Jahresvolatilität 15-20 %
Anleihen: Jahresvolatilität 5-10 %
Die Autoren schlagen eine einzigartige Risikogewichtung für „schwankende“ Kryptowährungen (einschließlich Bitcoin, BNB, Ethereum, Cardano, Dogecoin, XRP) sowie für „geankerte“ Kryptowährungen (wie Stablecoins) vor. Sie argumentieren, dass ein Index, der die Hälfte aus schwankenden digitalen Vermögenswerten und die andere Hälfte aus stabilen, geankerten Coins besteht, als Proxy für die Volatilität und das Verhalten des Kryptomarktes dienen kann.

(Quelle: Federal Reserve Board)
Die Initial Margin ist für den Derivatemarkt essenziell, da Händler bei Eröffnung einer Position Sicherheiten hinterlegen müssen, um Gegenparteirisiken zu minimieren. Aufgrund der höheren Volatilität bei Kryptowährungen müssen Händler mehr Sicherheiten hinterlegen, um eine Liquidation zu vermeiden. Das Arbeitspapier zeigt, dass Kryptowährungen als Vermögensklasse reifen und die US-Behörden sich auf regulatorische Rahmenbedingungen vorbereiten, um das wachsende Segment zu steuern.
Konkret: Während bei traditionellen Aktienderivaten die Initial Margin bei etwa 10 % liegt (bei einer Position im Nominalwert von 1 Million USD sind 100.000 USD Sicherheiten erforderlich), könnten bei Kryptowährungsderivaten 20-30 % oder mehr notwendig sein. Diese höheren Margin-Anforderungen sind notwendig, um extreme Volatilität zu kontrollieren (Verhinderung massiver Liquidationen und systemischer Risiken) und gleichzeitig die Hebelwirkung und Spekulation zu reduzieren (höhere Margin bedeutet, dass mit gleichem Kapital kleinere Positionen eingegangen werden können).
Die Autoren schlagen vor, dass die Performance und das Verhalten eines Benchmark-Index als Eingabe dienen können, um die „kalibrierten“ Risikogewichte für Kryptowährungen genauer zu simulieren. Das Konzept der „dynamischen Kalibrierung“ ist äußerst fortschrittlich: Es bedeutet, dass die Margin-Anforderungen für Kryptowährungen nicht statisch sind, sondern kontinuierlich anhand der tatsächlichen Marktvolatilität und Risikoeigenschaften angepasst werden. Bei extremen Marktbewegungen (wie im Liquidationsereignis im Oktober 2025) steigen die Margin-Anforderungen automatisch; bei stabilen Märkten können sie reduziert werden.
Das Arbeitspapier spiegelt die Reife der Kryptowährungs-Vermögensklasse wider und zeigt, wie die US-Behörden sich auf eine regulatorische Rahmengebung vorbereiten, die das wachsende Segment steuert. Die Bereitschaft der Federal Reserve, Zeit und Ressourcen in die Erforschung der Risikoeigenschaften von Kryptowährungen zu investieren und spezielle Regulierungsansätze vorzuschlagen, ist eine bedeutende Anerkennung der Branche. Es zeigt, dass Kryptowährungen nicht mehr nur als Randerscheinung oder vorübergehendes Phänomen betrachtet werden, sondern als ein Markt, der systemisch reguliert werden muss.
Im Dezember letzten Jahres hob die Federal Reserve die zuvor im Jahr 2023 veröffentlichten Leitlinien auf, die die Beteiligung amerikanischer Banken an Kryptoaktivitäten einschränkten. Die Richtlinien von 2023 besagten: „Banken, die unter der Aufsicht der Federal Reserve stehen, einschließlich unversicherter und versicherter Banken, unterliegen denselben Beschränkungen bei Aktivitäten, einschließlich neuer Bankgeschäfte im Zusammenhang mit Krypto-Assets.“ Diese Beschränkungen wurden während der Biden-Administration als Teil der sogenannten „Operation Chokepoint 2.0“ gesehen, die es Krypto-Unternehmen erschwerte, Bankdienstleistungen zu erhalten.
Das Aufheben dieser Beschränkungen ist ein bedeutender Schritt in der pro-Krypto-Politik der Trump-Administration. Es ermöglicht US-Banken, Konten für Krypto-Unternehmen zu eröffnen, Verwahrungsdienste anzubieten und sogar direkt an Krypto-Transaktionen und Derivatemarkt-Maketern teilzunehmen. Dieser Kurswechsel, zusammen mit den aktuellen Margin-Regelungen, schafft einen „offenen, aber kontrollierten“ Regulierungsrahmen: Banken dürfen teilnehmen, müssen aber höhere Risikomanagementstandards erfüllen.
Die Federal Reserve schlägt auch vor, dass Krypto-Unternehmen „vereinfachte“ Hauptkonten nutzen können, die direkten Zugang zum Zentralbanksystem bieten, aber weniger Berechtigungen haben als vollwertige Hauptkonten. Ein Hauptkonto ist ein Konto bei der Federal Reserve, das Finanzinstituten den direkten Zugang zu den Federal Funds, Notfallliquidität und anderen Kernfunktionen ermöglicht. Traditionell haben nur Banken Zugang zu solchen Konten; Krypto-Unternehmen waren ausgeschlossen.
Das „vereinfachte“ Hauptkonto könnte grundlegende Abwicklung und Clearing ermöglichen, aber keine Notfallkredite oder andere fortgeschrittene Funktionen. Dieser Kompromiss würde einerseits den Zugang der Krypto-Industrie zum Finanzsystem teilweise ermöglichen, andererseits Risiken für die Finanzstabilität begrenzen. Wenn dies umgesetzt wird, wäre es ein bedeutender Meilenstein für die Integration der Krypto-Branche in das traditionelle Finanzsystem.
Für den Markt für Krypto-Derivate ist der Vorschlag der Federal Reserve ein zweischneidiges Schwert. Einerseits schafft er eine offizielle Anerkennung und klare Regulierung, was mehr institutionelle Akteure (insbesondere streng regulierte Banken und Hedgefonds) anziehen dürfte. Andererseits könnten die höheren Margin-Anforderungen die Hebelwirkung und Liquidität verringern, die Transaktionskosten erhöhen und die Spreads ausweiten. Langfristig könnten jedoch gesündere Hebel und Risikomanagementpraktiken extreme Liquidationsereignisse verringern, was der Marktstabilität zugutekommt.
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